Wissenschaftliche Profilbildung
Was geh?rt zu einem guten wissenschaftlichen Profil? Wie kann ich die Postdoc-Phase zur Profilbildung nutzen?
Die ersten ein bis drei Jahre nach der Promotion bilden die frühe Postdoc-Phase. Sie dient der Orientierung: Welche Karriereziele verfolge ich? Welche Chancen stehen mir innerhalb und au?erhalb der Wissenschaft offen? Wer eine bewusste Entscheidung für die Wissenschaft getroffen hat, tritt in die fortgeschrittene Postdoc-Phase ein. Diese ist gepr?gt vom Streben nach der Habilitation oder ?quivalenten Leistungen. Entscheident ist, ein eigenst?ndiges, unverwechselbares wissenschaftliches Profil zu entwickeln, das den Anforderungen einer Berufung standh?lt. Daran schlie?t die Berufungsphase an, in der sich Postdocs auf Professuren bewerben und sich zugleich in ihrem Forschungsgebiet weiter profilieren.
Die frühe Postdoc-Phase dient dazu, sich über Karriereziele und -chancen klar zu werden, eine bewusste Entscheidung über den weiteren Karriereweg zu treffen und die Weichen für die n?chsten Schritte zu stellen. Typisch für diese Phase ist, dass laufende Projekte und Publikationen aus der Promotion abgeschlossen sowie neue Forschungsschwerpunkte erschlossen werden und h?ufig ein Standortwechsel oder Auslandsaufenthalt erfolgt – um den eigenen wissenschaftlichen Horizont zu erweitern und das eigene Netzwerk auszubauen.
Was sind Ihre Pl?ne und Ziele für die ersten Jahre als Postdoc? Hier finden Sie ein paar typische Themen:
Für Postdocs ist sp?testens nach zwei Jahren Anstellung ein Karrieregespr?ch mit dem bzw. der Vorgesetzten und einem weiteren Hochschullehrer bzw. einer weiteren Hochschullehrerin vorgesehen, um die individuellen Karriereperspektiven zu beleuchten. Dies ist für Postdocs auf befristeten Haushaltsstellen verpflichtend (vgl. Richtlinie für die Ausgestaltung von befristeten Besch?ftigungsverh?ltnissen 2015pdf,?474?kb), für alle anderen Postdocs wird es empfohlen. Ein Leitfadenpdf,?172?kb hilft bei der Durchführung des Karrieregespr?chs. Er soll sowohl Postdoktorandinnen und Postdoktoranden als auch Vorgesetzte ermutigen, das Thema der beruflichen Perspektiven in gemeinsamer Verantwortung in das Gespr?ch einzubringen.
Da ihre berufliche Zukunft offen ist, soll es Postdocs darüber Orientierung geben, welche Optionen für sie aus der Sicht erfahrener Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler in Frage kommen und welche Unterstützung sie dabei bekommen k?nnen. Ein gemeinsamer Blick auf das bisher Erreichte und Vereinbarungen über sinnvolle Ziele für die n?chste Zeit geh?ren ebenfalls in das Karrieregespr?ch.
Am Schluss des Karrieregespr?chs steht eine Vereinbarung über Qualifizierungsziele und über eine den Qualifizierungszielen angemessene Laufzeit des Folgevertrags, wie es nach WIssenschaftszeitvertragsgesetz vorgeschrieben ist. Die Gespr?chsinhalte bleiben vertraulich, aber die abschlie?ende Vereinbarung wird an das Personaldezernat weitergegeben, weil sie die Grundlage für die Weiterbesch?ftigung ist.
Zus?tzlich kann ein Beratungsgespr?ch mit einer au?enstehenden Person hilfreich sein, um über die eigenen beruflichen Optionen und Ziele zu reflektieren und die n?chsten Schritte zu planen. Hierfür steht Ihnen das Angebot der Karriereberatung für Postdocs an der Graduierten-Akademie offen.
Sie sind unsicher, ob Sie sich auf eine wissenschaftliche Karriere einlassen wollen? Sie wollen über die Anforderungen und die n?chsten Schritte in der Wissenschaft sprechen?
Oder Sie wollen in den Arbeitsmarkt au?erhalb der Uni wechseln und sich über M?glichkeiten und eine gute Bewerbungsstrategie beraten lassen?
Die Postdoc-Karriereberatung der Graduierten-Akademie hilft Ihnen bei diesen Fragen weiter. Schreiben Sie eine E-Mail oder rufen Sie an, um einen Termin zu vereinbaren!
Die fortgeschrittene Postdoc-Phase dient dem Erreichen einer Habilitation oder ?quivalenter Leistungen. Wichtig ist, dass sie ein eigenst?ndiges Forschungsprofil entwickeln sowie Aufgaben übernehmen, die auf eine wissenschaftliche Leitungsposition vorbereiten, wie zum Beispiel Lehre, Drittmitteleinwerbung, Gutachtert?tigkeiten, Gremienarbeit, Projektleitung und Beteiligung an der Promovierendenbetreuung. Eine zunehmende nationale und internationale Sichtbarkeit wird durch Publikationen und Vortr?ge, Vernetzung und institutionsübergreifende Kollaborationen sowie Forschungs- oder Lehraufenthalte angestrebt.
Die?Leitung einer eigenen Nachwuchsforschungsgruppe ist, genauso wie die alternativ zur Postdoc-Phase bestehende M?glichkeit einer Juniorprofessur mit Tenure Track, besonders geeignet, früh die Aufgaben einer wissenschaftlichen Leitungsposition zu erlernen.
Wenn Sie Professorin oder Professor werden wollen, müssen Sie einerseits bestimmte formale Einstellungsvoraussetzungen erfüllen (siehe unten). Andererseits sind es Ihre individuellen Leistungen in Forschung, Lehre und Drittmitteleinwerbung, die Sie zu einer attraktiven Kandidatin oder einem attraktiven Kandidaten für Ihr Fachgebiet machen. Was zu einem guten Profil für eine Professur geh?rt und auf welche Punkte Berufungskommissionen achten, erfahren Sie auf den Seiten zum?wissenschaftlichen Profil. Daneben ist auch die eigene Führungskompetenz wichtig, denn Professorinnen und Professoren tragen nicht nur wissenschaftliche Verantwortung – sie leiten Arbeitsgruppen, führen Mitarbeitende und gestalten institutionelle Prozesse mit.
Sobald Sie die Einstellungsvoraussetzungen für eine Professur erfüllen, k?nnen Sie sich auf passende Ausschreibungen bewerben. Wenn eine Ausschreibung besonders gut zu Ihrem Forschungsprofil passt, Sie aber die Einstellungsvoraussetzungen noch nicht zu 100 Prozent erfüllen, k?nnte eine Bewerbung trotzdem erfolgreich sein!
In der Berufungsphase qualifizieren Sie sich gleichzeitig als fortgeschrittene/r Postdoc weiter und bauen Ihr wissenschaftliches Profil aus.
Es gibt unterschiedliche Arten von Professuren mit unterschiedlichen Einstellungsvoraussetzungen: Die Juniorprofessur oder Qualifikationsprofessur (W1), für die Sie sich schon bald nach Abschluss der Promotion bewerben k?nnen; die Universit?tsprofessur (W2 oder W3), für die Sie weitere wissenschaftliche Leistungen zus?tzlich zur Promotion vorweisen müssen (Habilitation oder vergleichbare Leistungen); und die Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften, für die Sie zus?tzlich zur Promotion Berufserfahrung au?erhalb der Hochschule ben?tigen.
Die rechtlichen Einstellungsvoraussetzungen für Professuren sind in den Hochschulgesetzen der L?nder geregelt. Die Hochschulgesetze finden Sie hierExterner Link. Eine erste Orientierung für Professuren (au?er Juniorprofessuren) bietet §44 des Hochschulrahmengesetzes.Externer Link
Die konkreten Anforderungen ergeben sich aus den Stellenausschreibungen für eine Professur. Einen ?berblick über aktuelle Stellenausschreibungen bekommen Sie zum Beispiel hierExterner Link.
Weitere allgemeine Infos über die verschiedenen Wege zur Professur finden Sie bei AcademicsExterner Link und beim Deutschen HochschulverbandExterner Link.
Auf eine Juniorprofessur k?nnen Sie sich bereits in den ersten Jahren nach der Promotion bewerben. Sie müssen eine sehr gute Promotion und eine p?dagogische Eignung vorweisen, jedoch keine Habilitation oder vergleichbare Leistungen. Je nach Fachgebiet k?nnen auch Erfahrungen in der Lehre und/oder in der Drittmitteleinwerbung gefordert werden.
Eine Juniorprofessur ist immer befristet (die Laufzeit betr?gt in der Regel – mit einer Bew?hrungsphase und einer Zwischenevaluation – insgesamt sechs Jahre). Wenn sie in der Ausschreibung den Zusatz "mit Tenure Track" tr?gt, wird sie nach erfolgreicher Zwischen- und Tenure-Evaluation des Stelleninhabers in eine unbefristete W2- oder W3-Professur umgewandelt.
Informationen zum Tenure Track finden Sie hier.
Um auf eine Universit?tsprofessur (W2 oder W3) berufen werden zu k?nnen, müssen in der Regel laut Hochschulrahmengesetz "zus?tzliche wissenschaftliche Leistungen" (zus?tzlich zur Promotion) nachgewiesen werden. Traditionell geschah das in Deutschland durch eine Habilitation. Inzwischen hat es sich etabliert, dass als Alternative zur Habilitation auch "habilitationsad?quate" oder "gleichwertige Leistungen" vorgewiesen werden k?nnen. Auch eine Juniorprofessur oder Nachwuchsgruppenleitung wird manchmal als M?glichkeit gesehen, um die "zus?tzlichen wissenschaftlichen Leistungen" nachzuweisen.
Als habilitationsad?quate oder gleichwertige Leistungen k?nnen weitere wissenschaftliche Publikationen nach der Promotion anerkannt werden. Im strengen Sinn sind darunter Publikationen zu verstehen, mit denen man die schriftlichen Leistungen nach der jeweils geltenden Habilitationsordnung der Zielfakult?t erbringen k?nnte. In der Praxis wird das Kriterium der Habilitationsad?quanz jedoch zum Teil weicher gehandhabt. Ob die eigenen Leistungen als habilitationsad?quat anerkannt werden, entscheidet in einem Berufungsverfahren jeweils die Berufungskommission, die Ihre Bewerbung auf eine Professur begutachtet.
Bei der Entscheidung für oder gegen eine Habilitation müssen Sie nicht nur berücksichtigen, ob Sie die formalen Berufungsvoraussetzungen erfüllen, sondern auch, wie Sie sich im Bewerberfeld m?glichst gut platzieren k?nnen. Das gleiche gilt, wenn Sie die M?glichkeit einer Bewerbung um eine Juniorprofessur oder Nachwuchsgruppenleitung erw?gen.
Es gibt je nach Fachkultur unterschiedliche Gepflogenheiten, die Sie am besten von Fachvertretern erfahren. Zus?tzlich gibt es durch die Hochschulgesetze der L?nder und die Handhabung vor Ort lokale Standards. Wenn Sie Mitglied im Deutschen HochschulverbandExterner Link sind, k?nnen Sie sich dort dazu beraten lassen.
Professuren an Fachhochschulen oder Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind nicht nur in technischen, wirtschaftswissenschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen F?chern eine M?glichkeit, dauerhaft in Lehre und Forschung zu arbeiten. Für alle wissenschaftlichen Themen, die in anwendungsorientierten Studieng?ngen gelehrt werden, kann es Professuren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften geben.
Professuren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind auf angewandte Forschung und Lehre ausgelegt (in der Regel 18 SWS). Wer gern lehrt, Forschung und Lehre miteinander verbindet und einen Anwendungsbezug in seiner Forschung sieht, für den k?nnte dieser Karriereweg attraktiv sein. Die Bewerberzahlen auf diese Professuren sind meist nicht so hoch wie bei Universit?tsprofessuren.
Zur Erlangung einer Fachhochschulprofessur müssen Sie in der Regel promoviert sein und 5 Jahre Arbeitserfahrung (mindestens 3 Jahre au?erhalb der Hochschule) in der "Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden" vorweisen k?nnen (vgl. HRG §44.1.4c und die Hochschulgesetze der L?nder).
Weitere Informationen und aktuelle Stellenausschreibungen finden Sie u.a. hierExterner Link.