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Gesichtsausdrücke

Der Geschlechter-Blick der KI

Jenaer Informatiker analysieren KI-Modelle zur Erkennung von Gesichtsausdrücken
Gesichtsausdrücke
Foto: AdobeStock
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Meldung vom: | Verfasser/in: Gender in Focus
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Künstliche neuronale Netze spielen eine entscheidende Rolle bei der Nutzung und Auswertung umfangreicher Datenmengen. Ein besonderes Anwendungsfeld für die Psychologie und die medizinische Forschung ist die Erkennung und Klassifikation menschlicher Gesichtsausdrücke. Die dafür genutzten Systeme sind sehr leistungsstark und werden zur Verarbeitung gro?er Datens?tze als automatisierte Prozesse (end-to-end) entwickelt und entsprechend trainiert. Allerdings zeigen diese Black-Box-Modelle bei ihrer Anwendung, vor allem bei sogenannten Subpopulation-Shifts (Mischungs-Schock), oft ein unregelm??iges Verhalten auf, wodurch die Leistungsf?higkeit und Aussagekraft der Vorhersagen beeintr?chtigt werden.

Informatiker der?Computer Vision Group JenaExterner Link unter der Leitung von Professor Joachim Denzler haben dieses Problem aufgegriffen und in einer aktuellen Untersuchung analysiert, welche Faktoren einen Einfluss auf das unregelm??ige Verhalten von KI-Modellen zur Erkennung von Gesichtsausdrücken haben k?nnten. Dafür wurden zwei g?ngige Anwendungen (HSEmotion-7 und ResidualMaskNet) ausgew?hlt, die in der Lage sind, insgesamt sechs Basis-Emotionen sowie eine neutrale Ausdrucksform zu erkennen. Gemeinsam mit der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde unter der Leitung von Professor Orlando Guntinas-Lichius am Universit?tsklinikum Jena wurden zun?chst 36 gesunde Probanden in einem standardisierten Verfahren aufgefordert, vor einer Kamera die verschiedenen Emotionen in einer zuf?lligen Reihenfolge zum Ausdruck zu bringen. Um Verzerrungen durch menschliche Zuschreibungen zu vermeiden, stand ausschlie?lich die F?higkeit der Teilnehmenden zum mimischen Ausdruck im Fokus, die mit Frontalaufnahmen aufgezeichnet wurde. Um den Anwendungskontext in der neurologischen Diagnostik zu berücksichtigen, erfolgten die Aufnahmen viermal mit und zweimal ohne die angelegten Elektroden der hochaufl?senden Oberfl?chen-Elektromyographie. Eine zweite Gruppe von Probanden bestand aus 36 Patienten mit einer einseitigen Fazialisparese (Gesichtsl?hmung), von deren Erscheinungsbild anzunehmen ist, dass hier ein nachweisbarer Einfluss auf die Qualit?t der Vorhersagen von KI-Modellen besteht. Diese Aufnahmen mit den verschiedenen Gesichtsausdrücken wurden mittels 3D-Scans durchgeführt.

Nehmen KI-Modelle Emotionen bei M?nnern und Frauen unterschiedlich wahr? Dieses Diagramm veranschaulicht, wie zwei KI-Modelle bei der Erkennung von Gesichtsausdrücken eine geschlechtsspezifische Voreingenommenheit (Bias) aufweisen. Die Daten auf der linken Seite zeigen, dass das erste KI-Modell im Vergleich zu Frauen h?ufig Schwierigkeiten hat, den Gesichtsausdruck ?angewidert“ (Ekel) bei M?nnern zu erkennen. Auf der rechten Seite ist zu sehen, dass ein zweites Modell Frauen ?fter und mit gr??erer Sicherheit den Gesichtsausdruck ?glücklich“ (Freude) zuschreibt. Diese Erkenntnisse helfen Forschern dabei, verborgene Verzerrungen in modernen medizinischen und psychologischen KI-Werkzeugen aufzudecken.

Grafik: Computer Vision Group Jena

Für die weitere Analyse w?hlten die Forscher mehrere relevante Eigenschaften der Beschaffenheit von Gesichtern aus, die Modelle zur Gesichtserkennung beeinflussen k?nnten. Hierzu z?hlen neben der (Nicht-)Applikation von Elektroden und Erkrankungen wie der Fazialisparese auch Faktoren wie Alter, Gewicht und Geschlecht sowie die Symmetrie der Gesichtsproportionen. Die Black-Box-Modelle wurden daraufhin 'auf die Probe gestellt', wobei die Forscher zeigen konnten, dass einige dieser Eigenschaften auf signifikante Weise in den Entscheidungsprozess von KI-Modellen einbezogen werden und damit die Wahrscheinlichkeit zutreffender Vorhersagen beeinflussen. So konnte etwa in Bezug auf das Geschlecht nachgewiesen und best?tigt werden, dass die Aktivierung für die Vorhersage “fr?hlich“ bei Frauen im Durchschnitt st?rker ausgepr?gt ist. Weiterhin wurde der Ausdruck “angewidert” bei M?nnern niedriger gewichtet als bei Frauen.??

Mit diesem Einblick in die Black Box der Datenverarbeitung haben Tim Büchner, Niklas Penzel und Joachim Denzler von der Computer Vision Group Jena sowie Orlando Guntinas-Lichius von der HNO-Klinik einen wichtigen Impuls gegeben, die Funktionsweise von KI-Modellen weiterhin kritisch zu evaluieren und m?gliche Fehlerquellen hervorzuheben, um die Modelle künftig noch besser und leistungsf?higer zu machen, insbesondere für medizinische und psychologische Anwendungsgebiete.

Die Forschung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG – German Research Foundation) innerhalb des Projekts 427899908 BRIDGING THE GAP: MIMICS AND MUSCLES (DE 735/15-1 und GU 463/12-1) gef?rdert.

Information

Tim Büchner, Niklas Penzel, Orlando Guntinas-Lichius, and Joachim Denzler: The Power of Properties: Uncovering the Influential Factors in Emotion Classification. In: Christian Wallraven, Cheng-Lin Liu, Arun Ross (Eds.): Pattern Recognition and Artificial Intelligence. 4th 欧洲杯投注地址_明升体育-竞彩足球比分推荐 Conference, ICPRAI 2024. p. 440–448, 2025.

https://doi.org/10.1007/978-981-97-8705-0_32Externer Link

Joachim Denzler, Univ.-Prof. Dr.

Professur für Digitale Bildverarbeitung
Raum 3026
Inselplatz 5
07743 Jena Google Maps – LageplanExterner Link

Orlando Guntinas-Lichius, Univ.-Prof. Dr.

Universit?tsklinikum Jena, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkunde