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Meldung vom: | Verfasser/in: Sebastian Hollstein
Vom 18. bis 23. April findet an der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena ein Sport-Event der ganz besonderen Art statt. Acht Spielerinnen und Spieler des asiatischen Brettspiels Go treffen in insgesamt zw?lf Partien aufeinander – darunter Vertreterinnen und Vertreter der europ?ischen Go-Elite. Das Besondere: Die Kontrahentinnen und Kontrahenten spielen nicht um einen Titel, sondern im Auftrag der Wissenschaft.
Die Partien sind Teil eines weltweit bisher einmaligen Experiments, bei dem Psychologinnen und Psychologen der Universit?t Jena den Spielerinnen und Spielern w?hrend der Begegnungen direkt ins Gehirn schauen und messen, wie stark der Denksport physiologisch belastet. Zudem wollen sie herausfinden, ob M?nner und Frauen unterschiedlich mit der kognitiven Belastung umgehen. Interessierte k?nnen die Begegnungen – inklusive Hirnaktivit?t – live vor Ort und im Internet verfolgen. Go-Expertinnen und -Experten von der European Go Federation sowie Forschende aus der Psychologie kommentieren gemeinsam das jeweilige Geschehen auf dem Brett und im Kopf.
?Im Hochleistungssport gehen Menschen an ihr Limit, bewegen sich an der Belastungsgrenze und greifen phasenweise letzte Energiereserven an. Das gilt sowohl für den Marathonl?ufer als auch für die Denksportlerin?, sagt die klinische Psychologin Prof. Dr. Ilona Croy von der Universit?t Jena. ?Wir wollen mit unserem Experiment herausfinden, was genau w?hrend kognitiv herausfordernder Situationen in unserem Gehirn passiert.?
Wie sich ein Spielfehler im Gehirn zeigt
Sichtbar machen l?sst sich das am besten durch den Sauerstoffverbrauch des Denkorgans. Neben Sensoren zur Erfassung der Herzrate und des Muskeltonus im Schulterbereich sind die Go-Spielerinnen und -spieler deshalb w?hrend der Partien mit Elektroden am Kopf versehen. Mittels funktioneller Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) beobachten die Forschenden, wie sich der Blutfluss im Gehirn ver?ndert und welche Hirnregionen in bestimmten Spielsituationen st?rker durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden.
So k?nnen sie beispielsweise nachvollziehen, was w?hrend eines Spielfehlers in unserem Denkzentrum passiert. ?In jeder Go-Partie gibt es durch Fehler hervorgerufene Wendepunkte, in denen sich die Dominanzverh?ltnisse auf dem Spielbrett ver?ndern?, erkl?rt Ilona Croy. ?Macht ein Spieler einen Fehler und ?rgert sich darüber, dann sieht man das auch im Gehirn.? Regionen, die für Emotionen zust?ndig sind, verbrauchen dann mehr Sauerstoff. Klingt die Ver?rgerung ab, dann flie?t wieder mehr sauerstoffreiches Blut in den dorsolateralen pr?frontalen Cortex, das Denk- und Planungszentrum des Gehirns.
Weltmeisterin initiiert das Experiment und nimmt selbst teil
Die Kontrahentinnen und Kontrahenten spielen ihre Partien auf elektronischen Brettern – das Spielgeschehen wird somit live digital übertragen und durch eine Künstliche Intelligenz ausgewertet. ?Obwohl wir auf diese Weise den Spielverlauf und die Messwerte sehr gut synchronisiert abbilden, bedeutet das nicht, dass wir sofort nach einem Fehler auch die Reaktion des Gehirns beobachten k?nnen. Denn nicht immer merkt ein Spieler sofort, dass er etwas falsch gemacht hat. Deshalb befragen wir die 欧洲杯投注地址_明升体育-竞彩足球比分推荐en nach der Begegnung separat, wie sie die Partie wahrgenommen haben und schlagen somit eine Brücke zwischen der unmittelbaren KI-Auswertung und der menschlichen Perspektive, also den gemessenen Werten?, erkl?rt die Initiatorin der Studie Prof. Dr. Manja Marz von der Universit?t Jena.
Die Bioinformatikerin der Universit?t Jena hat selbst ein gro?es Interesse an den Forschungsergebnissen, z?hlt sie doch zu den besten Go-Spielerinnen der Welt. Erst vor wenigen Wochen errang sie in Tokio den Weltmeistertitel der Amateure. Auch w?hrend des Experiments wird sie am Spielbrett sitzen. ?So erfahre ich vielleicht, wie lange ich mir nach einem Fehler für den n?chsten Zug Zeit lassen sollte, bis das rationale Zentrum meines Gehirns wieder die Kontrolle übernommen hat.?
Unterschiede zwischen Spielerin und Spieler
Einen besonderen Fokus richten die beiden Forscherinnen auf m?gliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Die Pilotstudie untersucht als Teil des Projekts ?Gender in Focus? der Universit?t Jena erstmals, ob M?nner und Frauen bei langfristiger geistiger H?chstleistung unterschiedliche neuronale Aktivierungsmuster und Kompensationsstrategien zeigen. Deshalb spielen Frauen und M?nner w?hrend des Experiments getrennt gegeneinander.
?Sowohl beim Go als auch etwa beim Schach gibt es eine lange Diskussion darüber, warum Frauen nicht so gut spielen wie M?nner?, erkl?rt Manja Marz. ?Die prominenteste Begründung ist, dass es sich um einen statistischen Effekt handelt, weil es einfach viel weniger Spielerinnen als Spieler gibt. Doch vielleicht funktionieren auch die Gehirne von M?nnern und Frauen evolution?r anders. Es wird diskutiert, dass M?nner konfrontativer sein k?nnten und versuchen Territorium abzustecken, w?hrend Frauen mehr auf Harmonie achten und sich darauf konzentrieren, dass Dinge harmonisch zusammenpassen. Das führt m?glicherweise zu unterschiedlichen Spielstilen im Go.? W?hrend seiner Versuche will das Jenaer Team nun herausfinden, ob M?nner oder Frauen beispielsweise besser oder schlechter auf Reserven im Gehirn zurückgreifen k?nnen und ob sie sich schneller von kognitiven Belastungen erholen.
Das Go-Experiment, das es in dieser Form weltweit noch nicht gegeben hat, wird vermutlich nicht nur in den Bereichen Denk- und E-Sport auf gro?es Interesse sto?en. Die Forschungsergebnisse liefern auch wertvolle Informationen für Berufsgruppen, die über einen langen Zeitraum hochkonzentriert arbeiten, etwa Pilotinnen oder Chirurgen. Geschlechtsspezifische Erkenntnisse geben m?glicherweise Impulse für geschlechtssensible Leistungsf?rderung in Bereichen mit hoher mentaler Beanspruchung.
Informationen zum Event:
Das Go-Experiment findet vom 18. bis 23. April an der Universit?t Jena statt. Interessierte k?nnen die Begegnungen jeweils zwischen 9.30 Uhr und 15 Uhr live vor Ort am Inselplatz 5, Raum 4012, verfolgen. Dort treffen sie auch auf Expertinnen und Experten, die ihnen Go n?herbringen. Zudem wird das Event live und kommentiert auf dem Twitch-Kanal der European Go Federation übertragen: https://www.twitch.tv/europeangofederationExterner Link
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Manja Marz, Univ.-Prof. Dr.
- manja@uni-jena.de
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Ilona Croy, Prof. Dr.
- ilona.croy@uni-jena.de
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