- Universidad Nacional de C¨®rdoba
Meldung vom:
Charly, Bachelor Soziologie und Politikwissenschaft
Ich habe zwei Semester an der Fakult?t f¨¹r Sozialwissenschaften der Universidad Nacional de C¨®rdoba (UNC) studiert und verl?ngere meinen Aufenthalt in Argentinien auf etwas mehr als ein Jahr, um die Zeit zwischen dem Semesterende hier (Dezember) und dem Semesterbeginn in Deutschland zu ¨¹berbr¨¹cken. Bevor ich ¨¹ber meine pers?nlichen Erfahrungen an der Uni und im Alltag in C¨®rdoba berichte, m?chte ich euch einige organisatorische Tipps mitgeben, die mir pers?nlich zu Beginn geholfen haben bzw. h?tten.
Visum
Auf Basis von verschiedenen Erfahrungsberichten habe ich mich dazu entschieden ¨¹ber die, f¨¹r deutsche Staatsb¨¹rger:innen verf¨¹gbaren, 90 visumsfreien Tage einzureisen und das Studierendenvisum vor Ort in C¨®rdoba zu beantragen. Das kann ich auf jeden Fall empfehlen, da es so g¨¹nstiger ist und das internationale B¨¹ro der UNC mich durch den Prozess des Visums begleitet hat. Es sind f¨¹r das Visum zwar ein paar Dokumente notwendig, die sich jedoch alle unkompliziert vor Ort besorgen lassen.
Da ich meinen Aufenthalt um ein Semester verl?ngert habe, als ich bereits in Argentinien war, musste ich ebenfalls mein Visum verl?ngern. Das hat sich als deutlich langwieriger und komplizierter herausgestellt als beim ersten Visum f¨¹r 6 Monate und ich muss zugeben, dass ich nie wirklich verstanden habe, warum. Auch dabei konnte ich mich jedoch immer an das Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öe B¨¹ro der UNC wenden. Wenn man l?nger als 6 Monate bleiben will, muss man ein deutsches F¨¹hrungszeugnis vorlegen. Ich habe mir dieses auf dem Postweg aus Argentinien beantragt. Es hat letztendlich alles gut funktioniert, aber seine Zeit gedauert und vor allem insgesamt ca. 100€ gekostet. Es lohnt sich also dieses mit genug Zeit vor der Ausreise in Deutschland zu beantragen, sodass man sich die Extrakosten spart.
Deswegen, und auch wegen der ?u?erst stressigen Situation der Visumsverl?ngerung (ich hatte zwischendurch einen Monat keinen legalen Aufenthaltstitel, was r¨¹ckblickend nicht weiter schlimm war, mich zu der Zeit aber sehr gestresst hat), w¨¹rde ich empfehlen, bei Interesse, sich von Beginn an f¨¹r die zwei Semester zu entscheiden, damit man von Anfang an das entsprechende Visum beantragen und sich die Verl?ngerung sparen kann.
Plaza San Martin im Zentrum
Foto: Charly, Uni JenaWohnen
Ebenfalls auf Basis von Erfahrungsberichten habe ich mich entschieden die Wohnungssuche erst vor Ort in C¨®rdoba zu machen. Davon w¨¹rde ich allerdings abraten, da sie sich in meiner Erfahrung als sehr kompliziert und stressig gestaltet hat. So gab es zum Zeitpunkt meiner Suche nur noch sehr teure oder mit anderen Leuten geteilte Zimmer oder Unterk¨¹nfte in sehr schlechtem Zustand.
Ich habe die ersten zwei Wochen in einem Airbnb gewohnt und bin von dort in eine Unterkunft f¨¹r internationale Studierende gezogen. Dort hat allerdings die Decke meines Zimmers geschimmelt und sich der Schimmel nach einigen Starkregentagen so weit ausgebreitet, dass ich versucht habe, schnellstm?glich wieder auszuziehen und mit sehr viel Gl¨¹ck nach drei Wochen in eine WG mit zwei Argentiniern und einem Franzosen ziehen konnte. Dort habe ich f¨¹r 9 Monate gelebt und mich sehr wohl gef¨¹hlt. Diese Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens ist jedoch die absolute Ausnahme in Argentinien, da es quasi keine WGs wie in Deutschland gibt. Die Studierenden wohnen entweder bei ihren Eltern, alleine oder mit Geschwistern zusammen. Es gibt viele Residencias, quasi private Wohnheime, in denen sowohl internationale als auch Studierende aus anderen Provinzen leben.
Ich w¨¹rde empfehlen mit der Wohnungssuche zum Jahreswechsel anzufangen, wenn ihr zum Studienbeginn im M?rz nach C¨®rdoba geht. Die UNC hat auf Nachfrage eine Liste mit m?glichen Unterk¨¹nften. Diese ist nicht ganz aktuell, deshalb lohnt es sich alle Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öe auf der Liste ¨¹ber Whatsapp anzuschreiben, um Fotos vom Zimmer und Infos zu Lage und Preis zu bekommen. Ansonsten kann man auch bei Facebook oder Airbnb schauen, wo teilweise auch einzelne Zimmer zur Miete angeboten werden. Als Stadtviertel kann ich generell Nueva C¨®rdoba, das Zentrum und G¨¹emes zum Wohnen empfehlen. Diese sind sicher und in bis zu 30 Min fu?l?ufig von der Uni entfernt. Meiner Erfahrung nach ist ein Mietvertrag ebenfalls die Ausnahme, ich w¨¹rde jedoch dazu raten, dass ihr um einen Vertrag bittet, insbesondere um euch selbst abzusichern.
Lebenshaltungskosten
Die Lebenshaltungskosten sind in C¨®rdoba niedriger als in Deutschland, allerdings nur, wenn du ein deutsches Konto im R¨¹cken hast. Durch die hier deutlich schlechteren L?hne ist es f¨¹r die Menschen hier relativ betrachtet jedoch viel teurer.
Insgesamt h?ngen die Preise aus unserer Perspektive stark vom Wechselkurs zwischen Euro und Peso ab. Aktuell (Stand Februar 2026) sind Lebensmittel und etwas Essen oder in eine Bar gehen ?hnlich bzw. leicht g¨¹nstiger. Serviceleistungen wie z.B. Friseur:in oder ein Tattoo stechen oder Freizeitaktivit?ten sind deutlich g¨¹nstiger als in Deutschland. Die Mieten w¨¹rde ich zu Jena vergleichen, ich habe zuerst 300€ und sp?ter wegen gestiegenen Nebenkosten 330€ im Monat gezahlt.
Praktische Tipps (Handy, ?PNV, Geld, Konsulat)
Eine Prepaid-SIM-Karte zu besorgen ist zuerst relativ einfach, f¨¹r die Aktivierung braucht man jedoch eine argentinische DNI. Ich w¨¹rde euch dennoch empfehlen, eine Prepaid-SIM von entweder Claro oder Movistar zu nehmen, die ihr einfach aufladen und je nach Bedarf Packs mit Internet (und Telefonminuten) kaufen k?nnt. F¨¹r die Aktivierung der SIM-Karte habe ich die Daten einer argentinischen Freundin genutzt, man kann bestimmt auch einfach Kommiliton:innen fragen. Generell l?uft in Argentinien alles ¨¹ber Whatsapp: von Wohnungssuche, Uniorga bis hin zu Arztterminen. Deshalb ist das auf jeden Fall die wichtigste App f¨¹r euch.
Es gibt in C¨®rdoba als ?PNV Busse, die ich in der Stadt sehr selten benutzt habe, da ich eigentlich immer gelaufen bin. Die Busse kann man entweder mit einer Debit-Karte oder mit der Sube-Karte bezahlen. F¨¹r das Finden von Verbindungen und Haltestellen bietet sich GoogleMaps an, f¨¹r die genauen Abfahrtszeiten solltet ihr eher die App Tu Bondi nutzen. Ich pers?nlich habe immer wieder auch Uber genutzt, insbesondere f¨¹r weite Fahrten nachts, da dort die Busverbindungen nicht so gut sind. Wenn ihr alleine unterwegs seid, bietet sich als g¨¹nstige Alternative UberMoto (hinten auf dem Moped mitfahren) an.
Zum Thema Geld w¨¹rde ich euch empfehlen viel Bargeld (ich hatte ¨¹ber das Jahr verteilt bestimmt an die 3000€ in bar) in Euro mitzubringen und das St¨¹ck f¨¹r St¨¹ck (in Wechselstuben, auf der Stra?e oder mit Freund:innen) in argentinische Pesos zu tauschen, da der Wechselkurs stark schwankt. Alternativ kann man auch ¨¹ber WesternUnion Geld an sich selbst schicken und in bar abholen, das kostet jedoch Geb¨¹hren. Da ich z.B. meine Miete in bar zahlen musste, war mein Bargeldverbrauch sehr hoch. Man kann an den meisten Orten auch mit (Debit-)Karte zahlen (Kreditkarte ist nur f¨¹r Automieten notwendig), aber manchmal geht eben doch nur Bargeld oder Transferencia (die uns ohne DNI leider nicht zug?nglich ist). Au?erdem gibt es bei Barzahlung h?ufig Rabatte. Da der Peso so stark schwankt(e), sind einige h?here Fixkosten, wie beispielsweise die Miete, oft in Euro oder US-Dollar festgelegt.
Als letzter kleiner Tipp: Ich pers?nlich habe sehr schlechte Erfahrungen mit dem deutschen Konsulat in C¨®rdoba gemacht, da sie schlichtweg nicht erreichbar sind und sich auch nicht zur¨¹ckmelden. Deshalb w¨¹rde ich immer direkt das deutsche Konsulat in Buenos Aires kontaktieren.
sozialwissenschaftliche Fakult?t
Foto: Charly, Uni JenaStudium
Der Soziologie-Studiengang an der UNC ist recht neu, wodurch die Kurse klein sind, was durch geringe Anwesenheit nochmal verst?rkt wird, aber zu einer angenehmen Atmosph?re beitragt. Es gibt au?erdem recht wenig Auswahl, da die Wahlpflicht-Seminare nicht f¨¹r die internationalen Studierenden ge?ffnet sind. Wenn man aber Interesse an argentinischen und lateinamerikanischen Themen bzw. (sozialen) Realit?ten hat, kommt man sehr gut auf seine Kosten. Alle meine Kurse hatten eine Verbindung zu diesen Themen und haben mir pers?nlich gut geholfen auch die abseits von der Uni pr?senten sozialen und politischen Geschehnisse zu verstehen und mir viel wichtiges Kontextwissen vermittelt. Die einzelnen Kurse sind zeitlich sehr aufw?ndig und dauern 3 oder 4 Stunden am St¨¹ck in Pr?senz, bzw. aufgeteilt auf mehrere Veranstaltungen in der Woche bis zu insgesamt 6 Stunden. Deshalb w¨¹rde ich euch empfehlen nicht mehr als 3 oder 4 Kurse im Semester zu belegen. Au?erdem ist die Pflichtlekt¨¹re sehr umfangreich, sodass man pro Kurs w?chentlich leicht 180 Seiten lesen muss. Auch wenn mein Spanisch zu Beginn bereits sehr gut war und sich weiter verbessert hat, hat mich das Lesen immer sehr viel Zeit gekostet. Auch das Bewertungssystem und die Pr¨¹fungen sind ganz anders als in Deutschland gewesen, so muss man eine Art von Teilnahmeleistungen (Trabajos Pr¨¢cticos) erbringen, um die Kurse zu bestehen, kann sich aber bei sehr guten Noten die Abschlusspr¨¹fungen sparen. Das System ist sehr kompliziert, fragt am besten immer wieder eure Dozent:innen und Kommiliton:innen, was euren konkreten Fall betrifft.
Vom internationalen B¨¹ro gab es zu Semesterbeginn eine gro?e Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼ösveranstaltung und eine Campusf¨¹hrung, zu der es m?glich war, einige andere Austauschstudierende kennenzulernen, aber sonst gab es keine Aktivit?ten, die das Kn¨¹pfen von Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öen vereinfacht h?tten. Die Mitarbeiterinnen vom Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öen B¨¹ro waren aber dennoch immer sehr gut erreichbar und hilfsbereit bei den verschiedenen Fragen und Problemen. Je nach Frage muss man sich zum Teil aber auch an das internationale B¨¹ro der Fakult?t wenden. Insgesamt haben sich manche organisatorische Sachen sehr gezogen, so habe ich meinen Moodle-Zugang und den Zugang zur Mensa z.B. erst gegen Ende des ersten Semesters bekommen und das auch nur, weil ich sehr dahinter war.
Insgesamt ist der Umgang miteinander sehr freundschaftlich und offen, sowohl unter den Studierenden als auch mit den Lehrpersonen, und meiner Erfahrung nach unterst¨¹tzen euch alle sehr gerne bei jeglichen Fragen oder Problemen (wie dem Zugang zu den Texten, wenn man kein Moodle hat). Auf Deutsche kann der Umgang teilweise etwas informell wirken, so wird w?hrend der Veranstaltungen Mate getrunken und mit den Dozent:innen geteilt, die Vorlesung bei Fragen oft ohne Handzeichen unterbrochen, gelegentlich der:die Dozent:in mit Wangenkuss gegr¨¹?t oder der Kurs ohne Ansage mit einer halben Stunde Versp?tung begonnen.
Gedenken an die desaparecidos der letzten Milit?rdiktatur
Foto: Charly, Uni JenaAu?eruniversit?re Erfahrungen
Diese grundlegende Freundlichkeit und Informalit?t/Entspanntheit, die in der Uni zu sp¨¹ren war, ist f¨¹r mich einer der zentralen Eigenschaften der Argentinier:innen. Alle sind super offen und freundlich, aber besonders zu Beginn fiel es mir etwas schwer, tiefere Verbindungen zu kn¨¹pfen, da im Vergleich zu Deutschland viele Sachen dahingesagt werden, aber nicht so verbindlich gemeint sind und Verabredungen vor allem sehr spontan getroffen werden. Mittlerweile kann ich gut damit umgehen, besonders hat mir dabei geholfen Leute selbst zu kontaktieren und aktiv nachzufragen, wenn von ihnen Vorschl?ge kamen und sie sich dann nicht mehr gemeldet haben. Ich habe au?erhalb der Universit?t zu Beginn viel mit anderen internationalen Studierenden unternommen, aber ¨¹ber die Zeit sind die Verbindungen zu Argentinier:innen tiefer geworden.
C¨®rdoba hat ein breites kulturelles Angebot mit vielen Museen, die f¨¹r Studierende der UNC meistens umsonst sind, Theatern, kulturellen Zentren und Konzerten kleiner Bands, die in der Regel auch umsonst sind. Generell findet auf den Stra?en und Pl?tzen viel Leben statt: Tanzkurse, sich mit Freund:innen zum Mate trinken treffen oder Sport machen. Das Unisportangebot ist kompetitiv orientiert und nicht so leicht zug?nglich, weshalb ich empfehlen w¨¹rde, sich au?erhalb der Uni etwas zu suchen. An den Wochenenden bietet es sich an, Ausfl¨¹ge in die umliegenden Berge zu unternehmen. Das geht, je nach Ziel, meistens sehr gut mit dem ?PNV.
Durch die politische Situation gibt es viele regelm??ige Demonstrationen und Proteste, wie z.B. von den Renter:innen oder aktuell gegen die geplante Arbeitsreform. Ich w¨¹rde euch empfehlen, euch vor der Entscheidung f¨¹r Argentinien ¨¹ber die politische und insbesondere wirtschaftliche Situation vor Ort zu informieren, da sie den Alltag der Menschen hier sehr stark pr?gt und Geld als Dauerthema pr?sent ist. Auch besonders in der Universit?t merkt man die angespannte politische und wirtschaftliche Lage: die Dozierenden haben sehr geringe L?hne und arbeiten alle noch mehrere weitere Jobs. Immer wieder gab es deswegen gro?e Streiks, bei manchen meiner Kurse sind fast die H?lfte der Veranstaltungen ausgefallen, sodass Pr¨¹fungen kurzfristig (weniger als 10 Stunden vorher) verschoben und die Lernpl?ne angepasst wurden.
Ich erlebe Argentinien als unglaublich vielf?ltiges, offenes und sch?nes Land und w¨¹rde mich immer wieder f¨¹r C¨®rdoba entscheiden, da die junge Stadt viel zu bieten hat, sich dennoch famili?r anf¨¹hlt und man, ?hnlich zu Jena, viele bekannte Gesichter auf den Stra?en trifft.
Falls ihr noch weitere Fragen habt, k?nnt ihr euch an das Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öe B¨¹ro wenden, die meinen Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼ö vermitteln k?nnen.
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