- UNAM- Universidad Nacional Autonoma de Mexico
Meldung vom:
Richard, Bachelor Wirtschaft und Sprachen
Es sollte eine spannende, lehrreiche und nicht zuletzt herausfordernde Erfahrung werden! Mit diesem Ziel vor Augen entschied ich mich im Rahmen meines Bachelorstudiengangs Wirtschaft und Sprachen an der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena f¨¹r ein Auslandssemester an der Universidad Nacional Aut¨®noma de M¨¦xico (UNAM) in Mexiko-Stadt.
Wie w?re es, in einer der gr??ten Metropolen der Welt zu leben?
Wie w?re es, an einer der gr??ten und renommiertesten Universit?ten Lateinamerikas zu studieren?
Wie w?re es, den D¨ªa de los Muertos oder den mexikanischen Unabh?ngigkeitstag mitzuerleben?
Wie w?re es ¨¹ber die Pyramiden von Teotihuac¨¢n zu fliegen oder im Golf von Mexiko zu baden?
All diese, zugegeben etwas romantisierten, Fragen stellte ich mir zu Beginn meiner Reise nach Mexiko. Sie gaben mir die Motivation, dieses gro?e, pr?gende und nicht immer einfache Abenteuer auf der anderen Seite der Welt anzutreten. Welche Erfahrungen ich in Mexiko und an der UNAM gemacht habe, worauf man sich freuen kann und worauf man eventuell achten sollte, m?chte ich in diesem Erfahrungsbericht erz?hlen.
Bewerbungsprozess
Ein Austauschsemester an der UNAM ist keineswegs selbstverst?ndlich und mit einigen H¨¹rden verbunden. Deshalb informierte ich mich fr¨¹hzeitig beim Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öen B¨¹ro der Universit?t Jena ¨¹ber den Bewerbungsprozess, die ben?tigten Unterlagen sowie die relevanten Sprachzertifikate. Eine fr¨¹hzeitige Planung erwies sich als sehr wichtig, um den Ablauf gut zu planen und keine Fristen zu verpassen.
Zun?chst bewarb ich mich an der Universit?t Jena f¨¹r den Austauschplatz. Nach einer positiven R¨¹ckmeldung folgte ein separater Bewerbungsprozess bei der UNAM. Eine entscheidende Voraussetzung f¨¹r die Annahme war der Nachweis eines offiziellen Spanischzertifikats, das mindestens ein B2-Sprachniveau bescheinigt. Dabei handelte es sich konkret ein DELE- oder SIELE-Zertifikat des Instituto Cervantes.
Zwar konnte ich bereits eine bestandene B2-Pr¨¹fung im Rahmen meines Studiums vorweisen, diese wurde von der UNAM jedoch nicht anerkannt. Deshalb meldete ich mich zur SIELE-Pr¨¹fung am Instituto Cervantes an. Mit einem offiziellen Nachweis eines B2-Spanisch-Zertifikates und mit einem Notendurchschnitt von unter 2,5 wurde ich schlie?lich als Austauschstudent an der UNAM angenommen. Allerdings erhielt ich die Zusage erst etwa zwei Monate vor Semesterbeginn. Damit begannen die relativ kurzfristigen organisatorischen Vorbereitungen, die in meinem Falle vor allem das Abschlie?en einer Auslandskrankenversicherung, Flugbuchung und die Beschaffung einer Kreditkarte umfasste. Au?erdem wurde man seitens der UNAM gefragt, ob man am sogenannten UNAMigo-Programm teilnehmen m?chte. Dabei wird einem als Austauschstudent ein normaler Student der UNAM als Betreuungsperson zur Seite gestellt. F¨¹r einen ersten Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼ö und einen einfachen Start in das Semester ist eine Teilnahme am Programm sehr zu empfehlen.
Tipp zum Sprachnachweis: SIELE oder DELE?
Das Instituto Cervantes bietet zwei anerkannte Sprachpr¨¹fungen an: Den DELE und den SIELE. Beide werden von der UNAM akzeptiert, unterscheiden sich jedoch in Aufwand und G¨¹ltigkeit. Der DELE-Test ist lebenslang g¨¹ltig, daf¨¹r ist die Pr¨¹fung komplexer und das Ergebnis l?sst bis zu drei Monate auf sich warten. Der SIELE-Test ist nur f¨¹nf Jahre g¨¹ltig, aber flexibler und schneller. Die Pr¨¹fung kann online oder vor Ort an einem Standort des Instituts abgelegt werden. Das Ergebnis bekommt man in der Regel schon nach etwa zwei Wochen.
Ich habe beide Pr¨¹fungen bereits abgelegt und empfehle im Kontext einer Bewerbung f¨¹r ein Auslandssemester klar den SIELE - Test, da dieser meiner Meinung nach einfacher zu bestehen ist und eine schnelle R¨¹ckmeldung bietet. Dennoch sollte man die Pr¨¹fung nicht untersch?tzen.
Die Mondpyramide von Teotihuac¨¢n
Foto: Richard, Uni JenaAnkunft in Mexiko-Stadt und Wohnungssuche
Im Voraus schaute ich noch nicht nach einer Wohnung. Stattdessen war mein Plan, die ersten zwei Wochen in einem Airbnb in der N?he der Universit?t zu verbringen und vor Ort eine geeignete Unterkunft zu finden. Zwei Tage vor Abflug mietete ich ein Zimmer im Stadtviertel Coyoac¨¢n, das direkt an den Universit?tscampus und Stadtviertel Ciudad Universitaria angrenzt.
Die ersten Tage standen im Zeichen des Ankommens: Jetlag ¨¹berwinden, sich an die neue Umgebung gew?hnen und erste Erledigungen t?tigen. Als jemand, der zuvor noch nie au?erhalb Europas, geschweige denn in Lateinamerika, war, war mein erster Eindruck ¨¹berw?ltigend. Das neue Stadtbild, der dichte Verkehr, die lauten Ger?usche und der Duft frischer Tortillas an jeder Stra?enecke pr?gten meine ersten Eindr¨¹cke. So traute ich mich jeden Tag etwas weiter in die Stadt und konnte einige erste Erledigungen mache. Dazu z?hlten:
- Adapter f¨¹r Steckdosen (gibt es in vielen Elektronikl?den)
- mehrere Liter Trinkwasser (Leitungswasser ist nicht trinkbar)
- Magen-Darm-Medikamente zur Vorsorge
- eine SIM-Karte von AT&T (ca. 5 Euro im OXXO-Kiosk)
- Bargeld ¨C da nicht ¨¹berall Kartenzahlung m?glich ist. Die Citibanamex erwies sich als Bank mit den geringsten Abhebegeb¨¹hren f¨¹r meine ausl?ndische Kreditkarte
Wohnungssuche
F¨¹r Studierende gibt es in Mexiko-Stadt verschiedene M?glichkeiten, an eine Unterkunft zu kommen. Viele Studenten finden vor allem ¨¹ber Facebook-Gruppen, Aush?nge am Campus oder ¨¹ber pers?nliche Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öe eine Wohnung. Ich nutzte vor allem Facebook und besichtigte innerhalb von zwei Wochen einige Wohnungen. F¨¹r mich war es dabei wichtig, die Zimmer pers?nlich zu sehen, um Zustand und Mitbewohner einsch?tzen zu k?nnen.
Letztlich entschied ich mich f¨¹r ein WG-Zimmer mit drei mexikanischen Mitbewohnern, nur f¨¹nf Gehminuten von meiner Fakult?t entfernt. Aufgrund der Gr??e der Stadt w¨¹rde ich empfehlen, eine Wohnung in der N?he der Universit?t zu suchen, um die Wege so klein wie m?glich zu halten. Die Mieten f¨¹r ein WG-Zimmer in einer solchen Lage im S¨¹den der Stadt sollten dabei bei etwa 150¨C350 € monatlich liegen.
Zentralbibliothek der UNAM
Foto: Richard, Uni JenaStudienstart an der UNAM
Der Semesterstart begann mit einem offiziellen Einf¨¹hrungstag f¨¹r internationale Studierende. Neben einer herzlichen Begr¨¹?ung durch Lehrende, Universit?tsangestellte und Studenten wurde das breite kulturelle und sportliche Angebot pr?sentiert. Darunter fielen Tanzkurse, Theaterangebote, Fitnessangebote, Fu?ball,? Sprachkurse und vieles mehr.
Es folgten Informationen zum Campusleben und zur medizinischen Versorgung. Anschlie?end konnten wir an einer Bustour durch den Campus teilnehmen. Bei der Tour bekam man erstmals ein Gef¨¹hl f¨¹r die beeindruckenden Ausma?e der Universit?t. Allein die Fl?che des Campus wirkt wie eine eigene Stadt, die vergleichbar mit einer gr??eren deutschen Kleinstadt wie Jena w?re. Erg?nzt wird dieses Bild von einer Stadt durch eine eigene Polizeieinheit, mehrere Buslinien (Pumabus), Superm?rkte, Parks, Museen, Bibliotheken und nicht zuletzt durch das riesige Olympiastadion.
Kurswahl und Fakult?t
Ich war an der Facultad de Econom¨ªa eingeschrieben. Dort gab es ein gro?es Angebot an Kursen, f¨¹r die keine speziellen Vorkenntnisse erforderlich waren. Die Einschreibung erfolgte vor Ort, wobei mir der Rat von meinen Kommilitonen sehr half. Ich schloss mich meinem UNAMigo und seinen Freunden an, was sich als gute Entscheidung erwies. Sie wussten nat¨¹rlich, welche Kurse besonders interessant waren oder welche Kurse man aufgrund der hohen Durchfallquote lieber meiden sollte. Innerhalb der ersten Woche konnte man zun?chst in die Kurse reinschnuppern und dann gegebenenfalls auch den Kurs wechseln. Neben Kursen in Makro?konomie und mexikanischer Wirtschaftsgeschichte belegte ich auch ein Seminar, das sich mit wirtschaftlichen Entwicklungstheorien im lateinamerikanischen Raum besch?ftigte. Gerade dieser Kurs stand sinnbildlich f¨¹r die neue Perspektive, die mir das Studium in Mexiko er?ffnete. Als Wirtschaftsstudent konnte ich meinen ¨¹berwiegend europ?ischen Blick hinterfragen und durch eine lateinamerikanische Sichtweise auf wirtschaftliche Zusammenh?nge erweitern.
Uni-Alltag
Der akademische Alltag an der Facultad de Econom¨ªa war klar strukturiert und unterschied sich in einigen Punkten deutlich vom Studium in Deutschland. Die Kurse waren eher klein gehalten, meist mit unter 30 Studierenden, was eine pers?nliche Lernatmosph?re erm?glichte und den direkten Austausch mit den Dozierenden f?rderte.
Der Unterricht erfolgte ausschlie?lich auf Spanisch, was zu Beginn durchaus herausfordernd war, mich aber schnell sprachlich wachsen lie?. Es bestand in allen Kursen Anwesenheitspflicht. Dar¨¹ber hinaus war das Semester gepr?gt von einer kontinuierlichen Leistungsabfrage. Neben regelm??igen Lekt¨¹reaufgaben und w?chentlichen Hausaufgaben gab es innerhalb des Semesters pro Kurs meist drei Pr¨¹fungen, aus denen sich die Gesamtnote zusammensetzte.
R¨¹ckblickend war das Studium an der UNAM fachlich herausfordernd, aber enorm bereichernd. Gerade durch die lateinamerikanische Perspektive auf wirtschaftliche Zusammenh?nge war das Auslandssemester eine sehr wertvolle Erg?nzung zu meinem bisherigen Studium der Wirtschaftswissenschaft in Deutschland.
Einf¨¹hrungstag an der UNAM
Foto: Richard, Uni JenaLeben in Mexiko
Das Leben in Mexiko ist lebendig, bunt und manchmal auch etwas chaotisch. F¨¹r mich war es eine ganz neue Erfahrung, in einem Land zu leben, in dem so vieles anders funktioniert als in Deutschland oder anderen europ?ischen L?ndern. Von der Art, wie man im Alltag kommuniziert, ¨¹ber das Zeitempfinden, bis hin zum Umgang mit Beh?rden oder dem ?ffentlichen Verkehr, vieles ist anders und man brauchte Zeit, um sich daran zu gew?hnen.
Gleichzeitig wird man als Austauschstudent mit offenen Armen empfangen. Die Menschen sind herzlich, hilfsbereit und oft neugierig auf deutsche oder europ?ische Sichtweisen und Meinungen. Wer sich bem¨¹ht, offen und respektvoll mit der Kultur umzugehen und die Sprache aktiv zu nutzen, wird schnell Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öe kn¨¹pfen und neue Freunde finden.
Ein wichtiger Punkt, der h?ufig angesprochen wird, ist das Thema Sicherheit. Nat¨¹rlich gibt es in Mexiko auch Orte und Situationen, die man meiden sollte. Mit einem gesunden Ma? an Vorsicht, etwas Vorbereitung und gesundem Menschenverstand f¨¹hlte ich mich jedoch so gut wie immer sicher. Wichtig ist zu wissen, in welchem Stadtviertel man sich befindet, bei Dunkelheit nicht mehr allein unterwegs zu sein, Uber statt Taxis zu nutzen und Wertgegenst?nde m?glichst unauff?llig zu transportieren.
Neben dem Studium blieb auch gen¨¹gend Zeit, um das Land zu erkunden. Mexiko ist landschaftlich extrem vielf?ltig. Von wei?en Sandstr?nden an der K¨¹ste ¨¹ber beeindruckende Vulkanlandschaften im Landesinneren bis hin zu pr?kolumbianischen Ruinen. Auch in Mexiko-Stadt selbst gibt es unglaublich viel zu entdecken. Besonders beeindruckt haben mich der Z¨®calo, der zentrale Platz mit seiner imposanten Kathedrale und den ?berresten des aztekischen Tempels Templo Mayor, sowie der Chapultepec-Park, einer der gr??ten innerst?dtischen Parks der Welt. Dort befinden sich nicht nur weitl?ufige Gr¨¹nfl?chen, sondern
auch das sehenswerte Museo Nacional de Antropolog¨ªa, das einen faszinierenden Einblick in die pr?kolumbianische Geschichte Mexikos bietet. Ein weiterer H?hepunkt war der Besuch des Frida-Kahlo-Museums im Stadtteil Coyoac¨¢n. Auch ein Spaziergang durch das junge und angesagte Viertel La Condesa mit seinen Caf¨¦s, kleinen Boutiquen und M?rkten lohnt sich jederzeit.
Was eine Erfahrung!
Mein Auslandssemester an der UNAM war eine au?ergew?hnliche und pr?gende Erfahrung, die mich akademisch, sprachlich und pers?nlich weitergebracht hat. Ich habe nicht nur mein Spanisch und meine interkulturellen F?higkeiten deutlich verbessert, sondern auch ein ganz neues Verst?ndnis von der Vielfalt und Sch?nheit unserer Welt gewonnen. Zugleich wurde mir in einem Land wie Mexiko jedoch auch bewusst, welchen Herausforderungen wir als Menschen unmittelbar gegen¨¹berstehen. Allen voran den Folgen des Klimawandels, der zunehmende sozialen Ungleichheit und der anhaltenden Armut, die nicht nur in Mexiko allgegenw?rtig sind, sondern in vielen Teilen der Welt immer st?rker sp¨¹rbar werden. Umso deutlicher wurde mir, dass wir diesen Herausforderungen nicht mit nationaler Abschottung oder kurzfristigem Eigeninteresse begegnen k?nnen. Stattdessen braucht es ein gemeinsames Handeln, ein Denken ¨¹ber Grenzen hinaus und das Bewusstsein, dass wir alle Bewohner einer gemeinsamen Welt sind und gemeinsam Verantwortung f¨¹r unsere Zukunft tragen.
Zusammenfassend haben mich das Land, die Stadt und die Universit?t durch ihre Vielfalt, ihre Lebensfreude und ihre faszinierende Mischung aus Ordnung und Chaos tief beeindruckt. Trotz einiger Herausforderungen und einiger Momente des Heimwehs bin ich sehr dankbar f¨¹r diesen Abschnitt in meinem Leben. Ich bin dankbar f¨¹r all die Erfahrungen, die ich machen durfte und f¨¹r die Menschen, mit denen ich sie teilen konnte.
Abschlie?end m?chte ich mich herzlich bei der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena und dem Å·ÖޱͶעµØÖ·_Ã÷ÉýÌåÓý-¾º²Ê×ãÇò±È·ÖÍÆ¼öen B¨¹ro bedanken, die dieses Auslandssemester erm?glicht und von Anfang an unterst¨¹tzt haben. Es war eine Zeit voller neuer Eindr¨¹cke, Begegnungen und Erfahrungen, die ich nie vergessen werde.
Eine Zeit, die ich jedem weiterempfehlen kann, der den Mut hat, ¨¹ber Grenzen hinauszugehen und sich auf das Unbekannte einzulassen.