Notfallverbund Jena st?rkt den Kulturgutschutz im Gefahrenabwehrzentrum
Meldung vom: | Verfasser/in: Andreas Christoph
Im Gefahrenabwehrzentrum Jena kamen am 27. April Ansprechpartner:innen des Notfallverbundes Jena zusammen, um sich gemeinsam ein Bild von den M?glichkeiten der organisierten Kulturgutrettung zu machen. Im Mittelpunkt des Treffens standen die Besichtigung des Ger?tewagens Kulturgutschutz sowie die zugeh?rigen Ausrüstungss?tze, die der Freistaat Thüringen im Rahmen seines landesweit einzigartigen Konzepts zur Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen bereitstellt. Erg?nzt wurde das Programm durch die Vorstellung der an der Thüringer Universit?ts- und Landesbibliothek (ThULB) verfügbaren Notfallboxen-Sets, welche im Ernstfall unmittelbar vor Ort eingesetzt werden k?nnen.
Notfallverbünde: Wo Theorie und Praxis zusammenwachsen
Die Arbeit in Notfallverbünden bewegt sich stets auf zwei Ebenen. Theoretisch gilt es, Konzepte zu entwickeln, Zust?ndigkeiten zu kl?ren und Abl?ufe zu planen – von der Erstellung einrichtungsspezifischer Notfallpl?ne bis hin zur Vernetzung mit Beh?rden, Feuerwehren und anderen Kulturinstitutionen. Praktisch bedeutet Kulturgutschutz hingegen: Wissen, welche Mittel verfügbar sind, wie sie bedient werden und wie im Schadensfall schnell und koordiniert gehandelt werden kann.
Das heutige Treffen vereinte genau diese beiden Dimensionen. Die Teilnehmenden – Vertreter:innen von Museen, Archiven, Bibliotheken und weiteren Kultureinrichtungen aus Jena und der Region – konnten sich nicht nur über Konzepte und Strukturen austauschen, sondern auch konkret erleben, was im Notfall zur Verfügung steht.
Frank Liebermann, Brandamtmann und zust?ndig für die Einsatzvorbereitung bei der Feuerwehr Jena, unterstrich dabei die unverzichtbare Rolle verbindlicher Planungsgrundlagen: ?Ein gut vorbereiteter Notfallplan ist im Ernstfall kein bürokratisches Dokument, sondern die Grundlage dafür, dass wir als Einsatzkr?fte schnell und gezielt handeln k?nnen – und dass das kulturelle Erbe dabei nicht zur Nebensache wird.?
Thüringen als Vorreiter im bundesweiten Vergleich
Thüringen ist bislang das einzige Bundesland, das das Thema Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen so umfassend und systematisch angeht. Das vom Kulturrat Thüringen gemeinsam mit der Staatskanzlei, dem Innenministerium, dem Museumsverband Thüringen, dem Landesarchiv und weiteren Partnern entwickelte Konzept fu?t auf drei S?ulen: der Bereitstellung einer materiellen Basis durch den Freistaat, dem Aufbau eines fl?chendeckenden Netzes lokaler Notfallverbünde durch gezielte Fortbildungsangebote sowie der Benennung einer spezialisierten Feuerwehr als Ansprechpartnerin zum Kulturgutschutz für andere Feuerwehren im Land.
?Die Besch?ftigung mit der Vorbereitung auf einen Schadensfall in Kultureinrichtungen ist nicht neu – sie wird in Deutschland und weltweit auf verschiedensten Ebenen vorangetrieben. Thüringen ist jedoch das erste Bundesland, das dieses Thema so komplex angeht. Unser Ziel ist es, die zur Verfügung stehenden Mittel und M?glichkeiten für alle Kultureinrichtungen zu verbessern, unabh?ngig davon, ob es sich um ein Museum, ein Archiv oder eine Bibliothek handelt. Wir wollen das Rad dabei nicht neu erfinden – Best Practice und langj?hrige Erfahrungen sind unsere Grundlage, die wir gezielt zusammenführen?, sagt Ralf Seeber, Fachberater Notfallverbünde im Kulturrat Thüringen, und ordnet den thüringischen Ansatz in den gr??eren Kontext.
Feuerwehr Jena als zuverl?ssiger Partner
Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Jena machte bei dem heutigen Treffen deutlich, wie bedeutsam die institutionelle Vernetzung für den praktischen Kulturgutschutz ist. Der Ger?tewagen Kulturgutschutz, der im Ernstfall an Kultureinrichtungen in der Region zum Einsatz kommen kann, sowie die zugeh?rigen Ausrüstungss?tze – darunter Materialien zur Bergung, Stabilisierung und Erstversorgung von Kulturgütern – wurden fachkundig vorgestellt und erl?utert. Die Bandbreite der Ausrüstung und das dahinterstehende Konzept verdeutlichten eindrucksvoll, wie weit das Thema Kulturgutschutz über die reine Feuerbek?mpfung hinausgeht.
Als Sammlungsbeauftragter der Universit?t Jena verweist Tobias Mühlenbruch in diesem Zusammenhang auf die besonderen Herausforderungen, die sich aus der Vielfalt der zu schützenden Best?nde ergeben: ?Archive, Bibliotheken, universit?re Sammlungen und Museen beherbergen ein au?erordentlich heterogenes Spektrum an Objekten – von fragilen Handschriften über naturwissenschaftliche Pr?parate bis hin zu gro?formatigen Kunstwerken. Diese Unterschiedlichkeit stellt uns vor sehr unterschiedliche Anforderungen, wenn es darum geht, im Schadensfall richtig zu priorisieren und zu handeln.?
Ma?geschneiderte L?sung: Das Notfallboxen-Set
Ebenso Interesse weckte die Vorstellung eines Notfallboxen-Sets, das speziell für den Einsatz in Bibliotheken und Archiven vorgesehen ist. Diese kompakten, einrichtungsnah gelagerten Boxen erm?glichen es dem Personal in den Einrichtungen, im Schadensfall unverzüglich erste Sicherungsma?nahmen zu ergreifen, beispielsweise bei einem Wasserschaden – noch bevor spezialisierte Einsatzkr?fte eintreffen. Damit schlie?en die Notfallboxen eine entscheidende Lücke zwischen dem Eintreten eines Schadensereignisses und dem Beginn professioneller Bergungsma?nahmen.
Dass Notfallvorsorge kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess ist, betont Andreas Christoph von der Thüringer Universit?ts- und Landesbibliothek: ?Wir dokumentieren unsere Best?nde sowohl analog als auch digital – doch entscheidend ist, dass diese Dokumentation lebendig bleibt und regelm??ig aktualisiert wird. Nur so wissen wir im Ernstfall tats?chlich, was wo steht, in welchem Zustand es sich befindet und wie es geborgen werden muss.?
Gemeinsam für das kulturelle Erbe
Das Treffen im Gefahrenabwehrzentrum Jena stand exemplarisch für das, was Notfallverbünde leisten k?nnen: Sie schaffen Vertrauen, bauen Netzwerke auf und machen aus abstrakten Notfallpl?nen gelebte Praxis. Die enge Zusammenarbeit von Kultureinrichtungen, dem Kulturrat Thüringen und der Feuerwehr Jena zeigte dabei, wie fruchtbar ein ressortübergreifendes Miteinander für den Schutz des kulturellen Erbes sein kann.
Weitere Informationen zur Notfallvorsorge für Kultureinrichtungen in Thüringen, zu den Notfallverbünden sowie zu den Ausrüstungss?tzen und dem Ger?tewagen Kulturgutschutz finden Sie unter: www.kulturrat-thueringen.de/de/notfallvorsorge-fuer-kultureinrichtungen.htmlExterner Link.
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