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Preisverleihung in Aachen: Pierre Stallforth (Mitte) nimmt die Urkunde für den Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 von Yvonne Mast (l.) und Ludger Wessjohann (r.) entgegen.

Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 ist Pyrofactin

Forschungsteam aus Jena für Entdeckung eines neuen Naturstoffs ausgezeichnet
Preisverleihung in Aachen: Pierre Stallforth (Mitte) nimmt die Urkunde für den Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 von Yvonne Mast (l.) und Ludger Wessjohann (r.) entgegen.
Foto: Bernd Rupp/Leibniz-FMP
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Meldung vom: | Verfasser/in: Kerstin Breuer

Auf den diesj?hrigen Leibniz-Wirkstofftagen in Aachen ist gestern das Peptid Pyrofactin zum Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2026 gekürt worden. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) und der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena hat dieses Molekül entdeckt und seine besondere Rolle in einem bislang unbekannten bakteriellen Frühwarn- und Abwehrsystem entschlüsselt.

Neue Wirkstoffe entstehen nicht im Reagenzglas allein. H?ufig haben sie ihren Ursprung in Naturstoffen, die Mikroorganismen im Austausch mit ihrer Umwelt produzieren. Welche Funktionen diese Moleküle in ihrem natürlichen Kontext erfüllen, ist jedoch oft wenig erforscht. Die nun ausgezeichnete Forschungsarbeit, die im Rahmen des Exzellenzclusters ?Balance of the Microverse?Externer Link entstand, zeigt eindrucksvoll, wie lohnend dieser Perspektivwechsel ist. Statt Naturstoffe nur im Hinblick auf ihr Potenzial für Arzneimittel zu betrachten, rückte das Team ihre Rolle im komplexen Zusammenspiel mikrobieller Gemeinschaften in den Fokus.

Innovativer Ansatz offenbart bislang unbekannten Naturstoff

Im Zentrum der pr?mierten Studie steht die Interaktion zwischen dem weit verbreiteten Bakterium Pseudomonas syringae und der r?uberischen Am?be Polysphondylium pallidum. Die Forschenden konnten zeigen, dass das Bakterium ein chemisches Radar einsetzt, um diese Fressfeinde zu erkennen und gezielt zu t?ten. Dahinter steckt eine ausgeklügelte chemische Signalkette: Das Bakterium produziert den Naturstoff Syringafactin und gibt ihn an seine Umgebung ab. Trifft dieses Molekül auf die r?uberische Am?be, wird es von ihr chemisch ver?ndert. Das Bakterium wiederum besitzt ein spezielles Sensorprotein, das diese ver?nderten Moleküle als Warnsignal erkennt und gezielt Abwehrmechanismen aktiviert. In der Folge produziert das Bakterium einen zweiten Naturstoff: Pyrofactin, eine für die Am?ben t?dliche Substanz.

Dem Team um Pierre Stallforth, Professor an der Universit?t Jena und stellvertretender Direktor des Leibniz-HKI, ist es gelungen, diesen bislang unbekannten Mechanismus aufzukl?ren und mit Pyrofactin eine vielversprechende neue chemische Struktur zu identifizieren. Dabei ist diese Entdeckung mehr als ein Einzelfund. Sie steht exemplarisch für einen innovativen Forschungsansatz, der gezielt die Dynamik von Naturstoffen – also ihre Ver?nderung und Funktion im Zusammenspiel verschiedener Organismen – untersucht, um bislang unbekannte Naturstoffe aufzuspüren. Diese k?nnten künftig als Grundlage für neue Medikamente dienen oder Anwendung im Pflanzenschutz finden.

Neue Chancen für die Wirkstoff-Forschung

?Die Dynamik von Naturstoffen birgt ein enormes, bislang kaum ausgesch?pftes Potenzial für die Entdeckung neuer bioaktiver Verbindungen. Genau hier liegen neue Chancen für die Wirkstoff-Forschung?, sagt Stallforth, der den Preis in Aachen für sein Team entgegennimmt.

Information

Original-Publikation:

Zhang S, Schlabach K, Pérez Carrillo VH, Ibrahim A, Nayem S, Komor A, Mukherji R, Chowdhury S, Reimer L, Trottmann F, Vlot AC, Hertweck C, Hellmich UA, Stallforth P (2025) A chemical radar allows bacteria to detect and kill predators. Cell 188(9): 2495–2504.e20. https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.02.033Externer Link

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Pierre Stallforth, Prof. Dr.

Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie Hans-Kn?ll-Institut