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Gr?ber mit Steinpackungen der sp?tbronzezeitlichen Ausgrabungen bei Esperstedt.

Leben und Tod in Mitteleuropa in der sp?ten Bronzezeit

Ein internationales Forschungsteam zeigt, wie die Menschen in einer von Ver?nderungen gepr?gten Zeit lebten
Gr?ber mit Steinpackungen der sp?tbronzezeitlichen Ausgrabungen bei Esperstedt.
Foto: Hauke Arnold
  • Forschung

Meldung vom: | Verfasser/in: MPI für evolution?re Anthropologie/Florian Schneider

Sp?tbronzezeitliche Kreisgr?ben mit den Zentralgr?bern bei der Ausgrabungen bei Esperstedt.

Foto: Landesamt für Denkmalpflege und Arch?ologie Sachsen-Anhalt

Eine in Nature Communications ver?ffentlichte, neue interdisziplin?re Studie liefert erstmals detaillierte Einblicke aus biomolekularer und arch?ologischer Perspektive in das Leben der Menschen in Mitteleuropa w?hrend der sp?ten Bronzezeit (ca. 1300–800 v. Chr.), auch Urnenfelderzeit genannt. Diese war durch kulturelle Ver?nderungen, wie die weit verbreitete und namengebende Einführung der Brandbestattung, gekennzeichnet.

Da bei einer Brandbestattung biologisches Material zerst?rt wird, war dieser Zeitraum für die genetische und isotopische Forschung lange Zeit ein blinder Fleck. Einem internationalen Team aus Arch?ogenetikern, Arch?ologen und anderen Wissenschaftlern der Biomolekularen Forschung gelang es jedoch, durch die Konzentration auf zu dieser Zeit seltene K?rperbestattungen in Deutschland, Tschechien und Polen neue Erkenntnisse über Abstammungsmuster, Mobilit?t, Ern?hrung, physiologischen Stress und Bestattungspraktiken der Gemeinschaften der Sp?tbronzezeit zu gewinnen.

Eine international vernetzte Forschungsgruppe unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Max-Planck-Institute in Leipzig und Jena, der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena und des Landesamts für Denkmalpflege und Arch?ologie Sachsen-Anhalt untersuchte nun einen Teil dieser Skelette.

In der Studie wurden alte DNA sowie stabile Sauerstoff- und Strontiumisotope und osteoarch?ologische Daten von nicht brandbestatteten Personen analysiert. Diese Daten wurden mit Strontiumisotopendaten aus Brandbestattungen verglichen, die an den Ausgrabungsst?tten Kuckenburg und Esperstedt in Mitteldeutschland beerdigt wurden. Die Ausgrabungen wurden vom Landesamt für Denkmalpflege und Arch?ologie Sachsen-Anhalt und dem Seminar für Ur- und Frühgeschichtliche Arch?ologie der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in einen breiteren überregionalen Kontext gesetzt, indem sie mit zeitgen?ssischen genetischen Daten aus benachbarten Regionen verglichen wurden.

Leben in Zeiten des Wandels

?Mithilfe dieser Studie k?nnen wir nachvollziehen, wie Menschen den Wandel erlebt haben?, sagt Eleftheria Orfanou, Doktorandin am Max-Planck-Institut für evolution?re Anthropologie und Erstautorin der Studie. ?Die sp?te Bronzezeit wurde nicht als ein einziger Moment des Wandels erlebt, sondern als eine Reihe von Entscheidungen über Ern?hrung und Subsistenzstrategien, Bestattungen und soziale Beziehungen. Diese Gemeinschaften waren eng mit ihrer Landschaft verbunden, aber auch überregional vernetzt.?

Die genetischen Belege dieser Studie zeigen allm?hliche, regional unterschiedliche Ver?nderungen der Abstammung, die sich parallel zu etablierten lokalen Traditionen vollzogen. In Mitteldeutschland wurden diese Ver?nderungen erst in sp?teren Phasen der sp?ten Bronzezeit sichtbar. Dies verdeutlicht, wie Gemeinschaften an gr??eren Interaktionsnetzwerken teilnahmen und dabei zunehmend Verbindungen zum mittleren Donaugebiet eingingen.

Mithilfe der Strontium- und Sauerstoffisotopenanalysen lassen sich chemische Profile erstellen, die anzeigen wo Menschen aufgewachsen sind und gelebt haben. Somit k?nnen Forschende beurteilen, ob es sich um Einheimische oder Zugezogene handelte. Die meisten Personen aus Mitteldeutschland – sowohl K?rper- als auch brandbestattet – weisen lokale Isotopensignaturen auf. Dies deutet darauf hin, dass neue Ideen und Bestattungspraktiken vor allem durch 欧洲杯投注地址_明升体育-竞彩足球比分推荐e und Austausch und nicht durch Einwanderung von Bev?lkerungsgruppen verbreitet wurden.

Einführung der Hirse in Europa

Auch die Erkenntnisse über die Ern?hrung unterstreichen die Flexibilit?t der Gesellschaften der sp?ten Bronzezeit. In der frühen Phase dieser Zeit begannen die Menschen, Hirse – eine kurz zuvor aus Nordostchina nach Europa gelangte Getreideart – zu verzehren, vermutlich als Reaktion auf ?kologische oder wirtschaftliche Zw?nge. Diese Ern?hrungsumstellung ging ebenfalls nicht mit demografischen oder genetischen Ver?nderungen einher, was darauf hindeutet, dass die Hirse innerhalb bestehender Gemeinschaften eingeführt wurde. In der sp?teren Phase der sp?ten Bronzezeit ging der Hirseverzehr jedoch stark zurück und die Menschen kehrten zu den traditionelleren Getreidesorten Weizen und Gerste zurück. Dieses Muster deutet eher auf Experimentierfreudigkeit, Anpassungsf?higkeit, Widerstandsf?higkeit und kulturelle Pr?ferenzen hin als auf eine Intensivierung des Hirseanbaus.

Die Forschenden suchten auch nach Spuren alter Krankheiten und setzten diese Informationen mit den Erkenntnissen aus den Skeletten der Menschen in Beziehung. Zwar fanden sie DNA von Bakterien, die h?ufig mit Erkrankungen der Mundhygiene und Zahnerkrankungen in Verbindung gebracht werden, jedoch keine Anzeichen für weit verbreitete epidemische Infektionen. Hinweise auf Stress in der Kindheit, degenerative Gelenkerkrankungen und gelegentliche Traumata deuten auf ein k?rperlich anstrengendes Leben hin. Dennoch scheinen die meisten Menschen insgesamt in guter Verfassung gewesen zu sein.

Vielf?ltige Bestattungskultur

Die Studie gibt auch Einblicke in eine vielf?ltige Bestattungskultur, die aus moderner, westlicher Perspektive ungewohnt erscheinen mag. Dazu z?hlen Brandbestattung, Erdbestattung, die alleinige Beisetzung von Sch?deln sowie mehrstufige Riten, die alle innerhalb derselben Gemeinschaften nebeneinander existierten. ?Diese Praktiken scheinen keine Randerscheinungen beziehungsweise Ausnahmen gewesen zu sein?, erkl?rt Orfanou, ?sondern Teil eines breiteren Repertoires, aus dem die Menschen w?hrend der Urnenfelderzeit w?hlen konnten. Dieses Repertoire war mit der Schaffung von Erinnerung, Identit?t und Vorstellungen darüber verbunden, was es bedeutete, in der sp?ten Bronzezeit ein Mensch zu sein.?

Unter Einbeziehung arch?ologischer, anthropologischer, genetischer und isotopischer Belege rekonstruiert die Studie die Gesellschaften der sp?ten Bronzezeit als dynamische soziale Welten. ?Ver?nderung und Innovation wurden in bestehende Traditionen integriert. Diese Gemeinschaften gestalteten ihre Lebensweisen aktiv und schufen hybride Praktiken, die in einer zunehmend vernetzten Welt lokal von Bedeutung waren?, schliesst Wolfgang Haak, Leiter des Projekts am Max-Planck-Institut für evolution?re Anthropologie.?

Information

Original-Publikation

Eleftheria Orfanou et al. Reconstruction of the lifeways of Central European Late Bronze Age communities using ancient DNA, isotope and osteoarchaeological analyses Nature Communications, 24 February 2026?https://dx.doi.org/10.1038/s41467-026-69895-yExterner Link

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Florian Niko Schneider, PD Dr.

Projekte ?Alter Gleisberg?, ?Kuckenburg?
Professur Ur- und Frühgeschichte
L?bdergraben 24a
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Peter Ettel, Univ.-Prof. Dr.

Leiter des Seminars, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
Professur Ur- und Frühgeschichte
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