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Caspar David Friedrich (1774–1840), Der M?nch am Meer, 1808–1810, ?l auf Leinwand, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie

Die Bilder bieten Fragen, keine Antworten

Universit?t Jena als Kooperationspartner der Ausstellung ?Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“ in der Hamburger Kunsthalle
Caspar David Friedrich (1774–1840), Der M?nch am Meer, 1808–1810, ?l auf Leinwand, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie
Foto: ? bpk / Nationalgalerie, SMB / Andreas Kilger
  • Wissenstransfer & Innovation

Meldung vom: | Verfasser/in: Sebastian Hollstein

Caspar David Friedrich (1774–1840) Selbstbildnis mit aufgestütztem Arm, um 1802, Feder in Braun über Bleistift, Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett

Foto: ? Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

Im September 2024 j?hrt sich Caspar David Friedrichs Geburtstag zum 250. Mal. Der Maler und sein Werk stehen deshalb im Mittelpunkt einer Reihe von Veranstaltungen. Den Auftakt zum gro?en Jubil?umsjahr macht die Hamburger Kunsthalle, die bereits am 15. Dezember 2023 die Ausstellung ?Caspar David Friedrich. Kunst für eine neue Zeit“Externer Link er?ffnet.?Kooperationspartner der Schau ist die Forschungsstelle Europ?ische Romantik der Friedrich-Schiller-Universit?t Jena – einer ihrer Leiter, Prof. Dr. Johannes Grave, ist als externer Kurator ma?geblich an der Konzeption der Ausstellung beteiligt.

Die Kunsthalle zeigt in der ?u?erst umfangreichen Schau über 60 Gem?lde und rund 100 Zeichnungen Friedrichs, darunter popul?re Meisterwerke wie ?Wanderer über dem Nebelmeer“, ?Kreidefelsen auf Rügen“, ?Das Eismeer“ und ?Der M?nch am Meer“ (Bild oben). Damit bieten die Ausstellungsmacher eine Retrospektive des Künstlers, die einmal mehr dazu einl?dt, sich m?glichst unbefangen mit dessen Werk zu befassen und dabei m?glicherweise die eingeübten Praktiken im Umgang mit Malerei und Kunst zu hinterfragen.

?Die Besucherinnen und Besucher haben bei der Betrachtung dieser Werke die Chance auf ungeahnte Einsichten – wenn sie die eingetretenen Pfade, auf denen wir Bilder betrachten und erfassen, verlassen und sich dabei von Caspar David Friedrich an die Hand nehmen lassen“, sagt Johannes Grave, der sich seit über 20 Jahren mit dem 1774 in Greifswald geborenen Maler besch?ftigt.

?Gerade bei der Besch?ftigung mit Friedrich gibt es leider eine verbreitete Tendenz, seine Bilder wie ein R?tsel zu dechiffrieren und ihnen vorgestanztes Wissen zu entnehmen.“ Dabei laden seine Landschaften vielmehr dazu ein, sich in sie zu vertiefen, ohne einem ganz bestimmten, vermeintlich in sie hineingelegten Sinn nachzuspüren, ist der Jenaer Experte überzeugt. ?Sie bieten perfektes Anschauungsmaterial für eine Reflexion, für ein eigenst?ndiges Denken. Ich vermute, dass Friedrich bei den Betrachterinnen und Betrachtern die Erfahrung einer eigenen Einsicht ausl?sen wollte, die sich erst im zeitlichen Vollzug des Sehens einstellt. Diese Bilder bieten vor allem Fragen, keine Antworten.“ Das Versprechen auf Konkretheit in seinen Bildern unterl?uft Caspar David Friedrich etwa auch, wenn er nicht real existierende Landschaften malt, sondern sie aus der Fantasie entwirft, dabei aber Versatzstücke aus der Realit?t neu miteinander kombiniert.

Gegenw?rtiges Verh?ltnis von Mensch und Natur hinterfragen

Diesen unverstellten Zugang zur Kunst will das Ausstellungsteam auch nutzen, um aktuelle gesellschaftliche Probleme zu thematisieren. Denn der starke Bezug zur Natur in Caspar David Friedrichs Bildern ?ffnet eine zweite Ebene, die das Werk des 1840 verstorbenen Künstlers mit der Gegenwart verbindet. ?Sie lassen sich als eine Einladung verstehen, ein gewisses gesetztes Vorverst?ndnis von Natur zu hinterfragen – vor allem im Anthropoz?n, in Zeiten des Klimawandels und tiefgreifender ?kologischer Krisen“, sagt Johannes Grave.

Er sehe derzeit zwei Idealvorstellungen, wie man den Problemen begegne: Entweder sehne man sich zurück in eine Art Paradies der unberührten Natur oder man betrachte Subjekt und Natur in einer entgegengesetzten Beziehung, in der der Mensch die Natur kontrolliere und durch technische L?sungen des Klimawandels Herr werden wolle. ?Dabei müssen wir uns bewusst machen, dass die Klimakrise im Kern eine Krise unseres Verh?ltnisses zur Natur ist; in dieser Frage müssen wir allzu vertraut gewordene Vorfestlegungen hinterfragen“, sagt der Kunsthistoriker der Universit?t Jena. ?Ich habe die Hoffnung, dass unsere Ausstellung dabei helfen kann, solche Reflexionen anzusto?en, und dass sich die Besucherinnen und Besucher erst einmal einem Feld von Fragen ?ffnen, bevor sie voreilig nach Antworten suchen.“

Diese Impulse inspirieren nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern auch den Kurator und Kunsthistoriker in seiner Arbeit. Es sei immer wieder bereichernd, sich im Rahmen einer Ausstellung das Werk aus ganz praktischen Gründen neu zu erschlie?en. ?Bei der Auswahl der Werke für eine solche Schau müssen wir immer auch überlegen, wie sich bestimmte Gem?lde, Zeichnungen oder Grafiken in unsere Fragestellung, aber auch in den Ausstellungsraum einfügen, wodurch mitunter der Blick auf Kunstwerke f?llt, die an anderer Stelle vielleicht weniger Beachtung erhalten h?tten. Das ist auch für meine weitere Forschung wichtig“, sagt Johannes Grave, der derzeit gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Jena und Dresden an einer Edition der Schriften Caspar David Friedrichs arbeitet.

Kunsthistoriker Prof. Dr. Johannes Grave ist externer Kurator der Ausstellung in der Hanburger Kunsthalle.

Foto: Anne Günther (Universit?t Jena)

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Johannes Grave, Univ.-Prof. Dr.
vCard
Professur neuere Kunstgeschichte
Prof. Dr. Johannes Grave
Foto: Anne Günther (Universit?t Jena)
Frommannsches Anwesen, Raum 110a, Majorflügel
Fürstengraben 18
07743 Jena Google Maps – LageplanExterner Link